Herausforderungen für Bildung, Forschung und Innovation anpacken

September 11, 2025
from Schweizerischer Wissenschaftsrat SWR
#Bildungspolitik #Forschungspolitik #Innovationspolitik #german #french

Im Rahmen seines 60-Jahre-Jubliäums blickt der Schweizerische Wissenschaftsrat SWR nach vorn und benennt sieben zentrale Herausforderungen für die nächsten zehn Jahre. Er will mit den Partnerinnen und Partnern der Bildungs-, Forschungs- und Innovationslandschaft diskutieren, wie diese am besten zu adressieren sind.

Seit Anfang Jahr hat der SWR zusammen mit externen Fachleuten zentrale Herausforderungen zusammengetragen, die für den BFI-Bereich bis 2035 relevant sein werden. Er präsentiert nun sieben Bereiche, die er als besonders wichtig erachtet.

 

Der SWR fordert die staatlichen und privaten BFI-Akteure und -Akteurinnen zur Mitarbeit auf. Er ist überzeugt, dass eine gemeinsame Verständigung auf die Prioritäten der kommenden zehn Jahre notwendig ist: Gerade wegen der finanziellen, geopolitischen und technologischen Unsicherheiten ist es zentral, künftige Chancen und Risiken zu erkennen und anzupacken.

Stellenwert von Bildung, Forschung und Innovation erhöhen

Bildung, Forschung und Innovation tragen wesentlich zur Sicherung des Wohlstands, des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweiz bei. Ihr Wert und ihre Bedeutung sollten jedoch in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik noch stärker Anerkennung finden. Eine konsequente, langfristige Unterstützung und Finanzierung dieser Bereiche sind unerlässlich, um den sozialen Fortschritt in der Schweiz zu sichern und ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen.

 

Wandel in der Wissenschaft gestalten

Die Wissenschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Dieser wird massgeblich durch den Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie durch die veränderten Erwartungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geprägt. Deshalb sind einerseits erhebliche Anstrengungen erforderlich, um KI transparent, verantwortungsbewusst und effektiv in die Wissenschaft zu integrieren. Andererseits muss sich die Wissenschaft noch stärker an den Prinzipien der Offenheit, Inklusivität, Vielfalt und Nachhaltigkeit orientieren. Um das Potenzial des wissenschaftlichen Nachwuchses weitergehend zu fördern, ist die Qualität wissenschaftlicher Leistungen ins Zentrum zu stellen und kooperative Arbeitsformen müssen ermöglicht und honoriert werden.

 

Internationale Offenheit und Einbindung sichern

Das Schweizer BFI-System ist in hohem Masse auf internationale Zusammenarbeit und Einbindung angewiesen. Die Schweiz muss deshalb für internationale Talente attraktiv bleiben, den Zugang zum europäischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationsraum langfristig sicherstellen und Wege finden, um im globalen Wettbewerb, der zunehmend durch geopolitische Blöcke geprägt wird, weiterhin erfolgreich zu sein.

 

Innovationsstandort festigen

Die Schweiz gehört weltweit zu den führenden Innovationsstandorten. Um diese Spitzenposition zu sichern, ist der Wissens- und Technologietransfer zwischen Forschung und Anwendung zu intensivieren und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu steigern. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen weiter zu optimieren, um gezielt Start-ups und Scale-ups zu fördern, die Verfügbarkeit von Risikokapital zu erhöhen und das unternehmerische Ökosystem zu stärken.

 

Vertrauen in die Wissenschaft fördern

Die Verbreitung falscher und irreführender Informationen nimmt rasant zu. Gleichzeitig geraten demokratische und akademische Grundwerte zunehmend unter Druck. Es ist deshalb vordringlich, kritisches Denken und Informationskompetenz zu fördern und den Zugang zu verlässlichen Informationen zu gewährleisten. Zudem gilt es, das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken und die Wissenschaftsfreiheit sowie die institutionelle Autonomie zu schützen. Dazu sind eine lebendige und überzeugende Wissenschaftskommunikation sowie ein offener Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft unerlässlich.

 

Hochschulraum Schweiz weiterentwickeln

Der Schweizer Hochschulraum ist vom Föderalismus geprägt und zeichnet sich durch ein hohes Mass an Autonomie der unterschiedlichen Einrichtungen aus. Auf nationaler Ebene gewinnen gemeinsam genutzte Infrastrukturen und Dienstleistungen zu Recht an Bedeutung, während koordinierende Organe kaum Impulse zu setzen vermögen und Sparmassnahmen bevorstehen. Zudem grenzen sich andere Hochschulräume zunehmend ab (EU, USA, China). Die BFI-Akteure sollten deshalb die Verteilung von Aufgaben, Zuständigkeiten und Kosten gemeinsam weiterentwickeln und so die internationale Anschlussfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Hochschulraums langfristig sichern.

 

Berufsbildung und lebenslanges Lernen stärken

Die immer kürzere Halbwertszeit von Wissen, disruptive technologische Entwicklungen und der zunehmende Fachkräftemangel stellen für Gesellschaft und Wirtschaft enorme Herausforderungen dar. Um diesen wirksam zu begegnen, sind zusätzliche Investitionen in die Bildung erforderlich. Insbesondere sind die Berufsbildung und das lebenslange Lernen zu stärken und zu fördern. Dabei gilt es, Chancengleichheit und -gerechtigkeit sicherzustellen und die Durchlässigkeit im Bildungssystem weiter zu verbessern.