Wissenschaftliche Expertise für Politik und Gesellschaft: der SWR am Swiss Research and Innovation Summit SRIS'26

19. März 2026
von Schweizerischer Wissenschaftsrat SWR, Geschäftsstelle
#deutsch #Forschungspolitik #Innovationspolitik #Policy Advice

Am Dienstag, 17. März 2026, fand in Bern zum ersten Mal der Swiss Research and Innovation Summit (SRIS'26) statt – eine neue Plattform, die herausragende Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Innovation, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringt. Das Thema könnte aktueller nicht sein: «Wissenschaftliche Expertise für Politik und Gesellschaft». Wie kann Wissenschaft Politik und Gesellschaft am besten unterstützen? Wer fragt wissenschaftliche Expertise nach – und warum? Wie gelingt ein noch besserer Dialog? Für den Schweizerischen Wissenschaftsrat SWR sind diese Fragen zentral. Als unabhängiges Beratungsgremium des Bundesrates steht der SWR genau an dieser Schnittstelle: Er übersetzt wissenschaftliche Entwicklungen in strategische Empfehlungen und gibt wissenschaftspolitischen Weichenstellungen langfristig ausgerichtete Orientierung. Der SWR nahm am SRIS'26 teil und brachte seine Erfahrungen und Perspektiven in den Dialog ein.

Dialog als Grundlage – zentrale Impulse vom SRIS'26

Die Forschungs- und Innovationslandschaft befindet sich im Wandel: Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeitstransformation, digitale Transformation des Gesundheitswesens – die Themen sind komplex, vernetzt und erfordern strategische Weitsicht. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an wissenschaftliche Expertise: Politik, Verwaltung und Gesellschaft erwarten Orientierung bei Zukunftsfragen, die oft keine einfachen Antworten zulassen.

Yves Flückiger, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz, betonte in seiner Begrüßung: Der Austausch sei notwendiger denn je – in einer Epoche vieler Unsicherheiten brauche es vertrauenswürdige Informationen. Bundespräsident Guy Parmelin unterstrich die herausragende Stellung des Forschungsstandortes Schweiz und die Bedeutung der Vielfalt der Forschungslandschaft für fundierte politische Entscheidungen.

Wissenschaftliche Politikberatung braucht Strukturen

Ein zentrales Thema des Summits: Wissenschaftliche Politikberatung ist anspruchsvoll und braucht dedizierte Institutionen. Christina Pagel (Co-Direktorin des SPROCKET Hub, UCL London) machte dies in ihrer Keynote über ihre Erfahrungen mit SAGE während der Corona-Krise eindrücklich deutlich:

  • Viele Forschende wollen oder können nicht aus ihrer Forschung heraustreten für direkte Politikberatung oder öffentliche Kommunikation – deshalb braucht es Gremien, die diese Aufgabe professionell übernehmen.

  • Multidisziplinarität muss aktiv koordiniert werden – jemand muss sicherstellen, dass das richtige Wissen zur richtigen Zeit einfliesst.

  • Unabhängigkeit ist fragil – die Balance zwischen Politikprioritäten und wissenschaftlicher Autonomie muss aktiv gesichert werden.

  • Vertrauen aufzubauen ist zentral – aber es hat seinen Preis und erfordert Kontinuität.

Diese Argumente – vorgetragen aus internationaler Perspektive – unterstreichen eindrücklich, warum dedizierte, unabhängige Beratungsgremien unverzichtbar sind.

Auch Bernard Lehmann, Präsident der Kommission Wissenschaft und Politik der Akademien der Wissenschaften Schweiz, betonte: «Wissenschaft hat mehr Bedeutung, als einfach eine Meinung unter vielen zu sein.» Gerade deshalb müsse wissenschaftliche Beratung ihre Glaubwürdigkeit durch Unabhängigkeit wahren.

Forschung als Rohstoff für Innovation und Wohlstand

Der Summit machte auch sichtbar, dass wissenschaftliche Expertise weit über akute Politikberatung hinausgeht. Torsten Schwede (Präsident des Forschungsrats SNF) unterstrich: «Forschung ist für die Schweiz kein Luxus, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor. Dieser beruht darauf, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die schlausten Köpfe hier bei uns bleiben.»

Andreas Rickenbacher (Präsident Switzerland Innovation) ergänzte: «Ohne Wissenschaft gäbe es die Schweizer Innovation und damit auch den Wohlstand nicht. Grundlagenforschung ist kein Luxus, sondern der Rohstoff für künftige Innovationen.»

Dialog braucht persönliche Begegnung

Ein Panelgespräch zum Thema «Wie nützt uns wissenschaftliche Expertise?» (moderiert von Nicola Forster, Science et Cité) brachte Perspektiven aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft zusammen. Die Botschaften waren klar:

  • Matthias Michel (Ständerat Kanton Zug) an die Wissenschaft: «Sie müssen nicht warten, bis Sie gerufen werden.» Er sei interessiert an Formaten, wo man sich längerfristig treffe.

  • Sophie Michaud Gigon (Nationalrätin Kanton Waadt) machte deutlich: Ideologische Prägungen seien oft stark, aber «in der persönlichen Begegnung ist vieles möglich.»

  • Elisabeth Stark (Prorektorin Forschung, Universität Zürich) betonte die Rolle von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als Teil der Gesellschaft: «Wir begegnen in unserem Privatleben vielen Menschen, denen wir diese Erkenntnisse nahe bringen können.»

  • Und Sebastian Friess (Leiter Amt für Wirtschaft Kanton Bern) verwies auf eine der Wirtschaft zuträgliche Besonderheit der Schweiz: «Die Schweiz ist international ein unheimlich kleines Land und baut auf informellen Netzwerken.»

Vertrauen, Transparenz und Bescheidenheit

Yves Flückiger fasste in seinem Schlusswort zusammen: «Sich auszudrücken ist ein Risiko. Stellung zu beziehen ist ein Risiko. Wir müssen am Vertrauen arbeiten – es basiert auf der Transparenz und der Kommunikation. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen ihre Erkenntnisse mit Bescheidenheit vertreten. Um gehört zu werden, muss die Wissenschaft auch zuhören.»

Prof. Dr. Martina Hirayama (Staatssekretärin für Bildung, Forschung und Innovation) blickte zurück auf einen Summit, der sichtbar gemacht habe, was die Schweizer Forschungslandschaft ausmache: «Vielfalt, Engagement und der Wille zur Zusammenarbeit, in einem Bereich, der die Schweiz stark macht.»

Der SWR am Marktplatz der Ideen

Neben dem offiziellen Programm bot der SRIS'26 auch Raum für direkten Austausch: Am «Marktplatz der Ideen» stellten verschiedene BFI-Institutionen in der Pause und im Anschluss an die Konferenz erfolgreiche Praxisbeispiele zum Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vor.

Auch der SWR nutzte diese Gelegenheit, um seine Arbeit zu präsentieren und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft ins Gespräch zu kommen. Diese persönlichen Begegnungen – jenseits der grossen Bühne – zeigten erneut, wie wertvoll der direkte Dialog ist: Fragen stellen, Perspektiven austauschen, Synergien erkennen.

Die Rolle des SWR im BFI-Ökosystem

Der SWR versteht sich als Brückenbauer: zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, zwischen internationalen Trends und nationalen Prioritäten, zwischen langfristiger Vision und konkreten Handlungsempfehlungen. Im konstruktiven Zusammenspiel mit Hochschulen, Förderagenturen und anderen BFI-Akteuren erfüllt er eine spezifische Funktion – er berät den Bundesrat mit strategischer Voraussicht.

Diese Rolle erfordert vor allem drei zentrale Elemente:

  • Exzellente Expertise: Die Ratsmitglieder vereinen wissenschaftliche Spitzenleistung mit praktischer Erfahrung in Forschung, Industrie und Innovation.

  • Übergeordnete Perspektive: Der SWR denkt sektorübergreifend und langfristig – jenseits von Einzelinteressen und kurzfristigen Trends.

  • Internationale Vernetzung: Strategische Weitsicht entsteht nicht im nationalen Vakuum, sondern durch die Fähigkeit, internationale Entwicklungen zu antizipieren.

Viele der am SRIS'26 diskutierten Herausforderungen sind dem SWR vertraut: Wie stellt man sicher, dass das richtige Wissen zur richtigen Zeit einfliesst? Wie wahrt man Unabhängigkeit, während man gleichzeitig politikrelevant bleibt? Wie baut man Vertrauen auf?

Wissenschaftliche Expertise so aufzubereiten, dass sie politische Entscheidungen fundiert, erfordert die Verbindung von wissenschaftlicher Tiefe, praktischer Relevanz und übergeordneter Perspektive – genau das leistet der SWR.

Fazit: Strategische Weitsicht entsteht im Dialog

Der erste Swiss Research and Innovation Summit war mehr als eine Konferenz – er war ein Signal: Die Schweizer Forschungs- und Innovationslandschaft ist bereit, gemeinsam über ihre Rolle, ihre Verantwortung und ihre Zukunft nachzudenken.

Für den SWR bestätigt der SRIS'26, was im Kern seiner Arbeit steht: Strategische Weitsicht entsteht nur im Dialog und im Zusammenspiel zwischen allen Akteuren, mit Weitblick und dem Willen, Brücken zu bauen. Die Diskussionen, Perspektiven und Synergien vom SRIS'26 fliessen in diese Arbeit ein.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieses wichtigen Dialogs.