Breite Resonanz in der Vernehmlassung zur Neuordnung der ausserparlamentarischen Kommissionen: Argumente und Perspektiven zur wissenschaftspolitischen Beratung

07 luglio 2026
Contributo di Schweizerischer Wissenschaftsrat SWR, Geschäftsstelle
#Bildungspolitik #Forschungspolitik #Innovationspolitik #tedesco #francese

Der Bundesrat hat am 28. Januar 2026 beschlossen, dem Parlament die Auflösung des Schweizerischen Wissenschaftsrats SWR als ausserparlamentarische Kommission (APK) vorzuschlagen. Er begründet seinen Vorschlag zur Auflösung des SWR damit, dass dessen Beratungsdienstleistungen für den Bundesrat aufgrund veränderter Rahmenbedingungen nicht mehr benötigt werden. Er vertritt die Auffassung, dass aufgrund der erhöhten Dynamik der Politik nun kurzfristiges Fachwissen erforderlich sei, das durch vom Bundesrat oder der Bundesverwaltung eingesetzte Ad-hoc-Ausschüsse oder durch externe Mandate bereitgestellt werden könne.

Breite Beteiligung und differenzierte Beiträge

Im Vernehmlassungsverfahren von Januar bis April 2026 haben sich zahlreiche Akteure mit der Frage der wissenschaftspolitischen Beratung in der Schweiz auseinandergesetzt und sich deutlich zugunsten des SWR geäussert. Die Vielfalt der eingegangenen Stellungnahmen – sowohl hinsichtlich der vertretenen Standpunkte als auch der inhaltlichen Tiefe – unterstreicht die Bedeutung, die der wissenschaftspolitischen Beratung in der Schweiz zukommt. Der Schweizerische Wissenschaftsrat SWR dankt allen Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich mit substantiellen Beiträgen an dieser Diskussion beteiligt haben.

Die Vernehmlassung hat deutlich gemacht, dass die Weiterentwicklung des BFI-Systems als gemeinsame Aufgabe verstanden wird, die von unterschiedlichen Akteuren mitgetragen und mitgestaltet wird. Die vorgebrachten Argumente leisten einen wichtigen Beitrag zur Reflexion über bestehende Strukturen und künftige Anforderungen.

Wichtige Argumente und Impulse zur Weiterentwicklung

Die im Rahmen der Vernehmlassung eingegangenen Stellungnahmen zeigen ein differenziertes, zugleich in wesentlichen Punkten bemerkenswert konsistentes Bild hinsichtlich der Rolle wissenschaftspolitischer Beratung in der Schweiz. Institutionen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft haben sich vertieft mit der Frage auseinandergesetzt, wie eine fundierte, unabhängige und langfristige Perspektive in der Gestaltung des Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystems (BFI-System) sichergestellt werden kann.

Über die verschiedenen Akteursgruppen hinweg lassen sich mehrere wiederkehrende Argumentationslinien erkennen:

Ein zentrales Anliegen betrifft die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Politikberatung. Zahlreiche Stellungnahmen betonen, dass das BFI-System von einer Instanz profitiert, die ihre Einschätzungen ohne institutionelle Eigeninteressen einbringt und Entwicklungen mit einem übergeordneten Blick e beurteilen kann. Diese Unabhängigkeit wird als wichtige Voraussetzung für glaubwürdige und tragfähige Entscheidungsgrundlagen verstanden.

Eng damit verbunden ist die Frage nach einer Gesamtsicht auf ein komplexes System. Das schweizerische BFI-System ist durch eine Vielzahl von Akteuren, geteilte Zuständigkeiten zwischen Bund und Kantonen sowie eine starke internationale Vernetzung geprägt. Mehrere Stellungnahmen heben hervor, dass in einem solchen Umfeld eine kontinuierliche, systemische Analyse von Entwicklungen notwendig ist – eine Aufgabe, die sich nur begrenzt durch punktuelle Expertisen oder ad‑hoc basierte Verfahren ersetzen lässt.

Ein weiterer wiederkehrender Aspekt ist die langfristige Perspektive. Viele Beiträge unterstreichen den Wert einer Beratung, die über kurzfristige Fragestellungen hinausgeht und Entwicklungen über längere Zeiträume hinweg einordnet. Gerade in einem Umfeld, das von technologischen, gesellschaftlichen und geopolitischen Veränderungen geprägt ist, wird die Fähigkeit zur Antizipation zukünftiger Herausforderungen als zentral erachtet.

Auch die Frage der Effizienz und Wirtschaftlichkeit wird mehrfach angesprochen. Verschiedene Stellungnahmen weisen darauf hin, dass Modelle, die auf unabhängiger Expertise im Milizsystem beruhen, eine vergleichsweise kosteneffiziente Form der Wissensbereitstellung darstellen. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass eine Verlagerung von Aufgaben auf externe Mandate nicht zwingend zu Einsparungen führt und mit zusätzlichen Koordinations- und Transaktionskosten verbunden sein kann.

Schliesslich wird in zahlreichen Stellungnahmen die internationale Einbettung des Schweizer BFI-Systems hervorgehoben. Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass unabhängige wissenschaftspolitische Beratungsgremien ein verbreitetes Instrument darstellen. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung betont, auch in Zukunft über Strukturen zu verfügen, die eine verlässliche, international anschlussfähige Reflexion des Systems ermöglichen.

Ausblick

Die eingegangenen Stellungnahmen bestätigen, dass der Bedarf an unabhängiger, evidenzbasierter und langfristig orientierter wissenschaftspolitischer Beratung breit anerkannt ist. Sie zeigen zugleich auf, dass es sinnvoll ist, bestehende Instrumente und Rollen regelmässig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Der Schweizerische Wissenschaftsrat nimmt diese Impulse auf. Ziel bleibt es, einen Beitrag zu leisten, der sich an den Anforderungen eines dynamischen und international vernetzten BFI-Systems orientiert: differenziert in der Analyse, offen für unterschiedliche Sichtweisen und konsequent auf langfristige Entwicklungen ausgerichtet.

Der SWR ist bereit, diese Rolle weiterhin aktiv wahrzunehmen und in Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen weiterzuentwickeln – im Sinne eines starken, zukunftsorientierten Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystems in der Schweiz.