1965 schafft das Innendepartement unter Bundesrat Hans-Peter Tschudi den Schweizerischen Wissenschaftsrat. Erster Präsident ist der Staatsrechtsprofessor Max Imboden, gleichzeitig freisinniger Nationalrat. Der neue Wissenschaftsrat ist Teil einer erstarkten nationalen Bildungs- und Wissenschaftspolitik: Mitte 1940er Jahre entsteht die Kommission zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (heute Innosuisse), Anfang 1950er Jahre der Schweizerische Nationalfonds. Der Sputnik-Schock, der die ganze westliche Welt erfasst, lässt die kantonale Kritik an der Einmischung in ihre Hoheit leiser werden; das Engagement des Bundes wird verankert und breitet sich zunehmend aus.
Der SWR bearbeitet von Beginn viele Bereiche aus einer System-Perspektive. Das Beratungsorgan des Bundesrates umfasst drei Unterausschüsse: für angewandte Forschung, für Lehre und Grundlagenforschung und für Hochschulunterstützung.
Und heute? – Den breiten, systemischen Blick und die unabhängige Beratung hat der SWR bewahrt. Ebenso die Langfristperspektive. Gross ist auch jetzt der Druck von aussen auf das nun sehr erfolgreiche Schweizer Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystem (BFI-System): China investiert massiv in Forschung und Innovation, die Europäische Union rückt zusammen und will ihre Kräfte bündeln, um den Innovationsrückstand gegenüber den USA aufzuholen. Und die Schweiz sucht weiterhin ihren Platz mit bilateralen Kooperationen und einer teilweise ungeklärten Beziehung zur EU.
‘Fachkräftemangel’, ‘Akademisierung’, ‘De-Industrialisierung’, ‘Digitalisierung’ oder ’Fake News’ sind nur einige der Schlagworte, die derzeit die politische Debatte dominieren. Zentral ist zudem, dass der Bund seine Rolle anders definiert als vor 60 Jahren. Hat er damals das Heft in die Hand genommen, sollen nun die Kantone wieder einen grösseren Teil an (finanzieller) Verantwortung für Bildung und Forschung übernehmen.
Werden in den kommenden zehn Jahren föderalistische Finanzstreitigkeiten die Innovationsfähigkeit des BFI-Systems blockieren? Brauchen wir neue Ressourcen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz; mehr, weniger oder andere Zuwanderung? Nimmt die Bedeutung von Grundlagenforschung mit den globalen Herausforderungen ab – oder, im Gegenteil, zu? Wie soll sich die Balance zwischen Innovationsförderung und Industriepolitik entwickeln – und wie bewältigen wir die anstehenden Probleme der Gesundheitspolitik, der demografischen Entwicklung und des Klimawandels?
Der SWR will in seinem Jubiläumsjahr mit einer Blogserie Debatten zur Zukunft der schweizerischen BFI-Landschaft lancieren und hat externe Fachleute gebeten, aus ihrer Perspektive zentrale Herausforderungen fürs nächste Jahrzehnt zu benennen. Diese werden wir hier in den kommenden Wochen nun regelmässig publizieren, und sie werden in unsere Überlegungen zur Erfüllung unseres Beratungsauftrags einfliessen.
Wir freuen uns auf die Diskussionen!